Donnerstag, 21. August 2014

Gedanken über die Verständlichkeit von Mime

Theater für ALLE, ist nach wie vor einer meiner Bestrebungen. Was heißt das? Schlicht und ergreifend: jeder kann etwas damit anfangen, dann die Bilder, Geschichten, Figuren usw. verstehen und wird von ihnen berührt. Bislang habe ich immer dabei die Sprache in meinen Gedanken ausgeschlossen. Ein Stück ohne Sprachbarriere mit einem Lebensweltbezug der überall auf der Welt verstanden werden kann. Aber - offen gestanden - so wirklich geglückt es es mir noch nicht. Zweimal gab es meinerseits einen Versuch für Kinder ein Stück ohne Sprache zu spielen. Das ist zwar nicht gescheitert, trotzdem waren diese Stücke insgesamt weniger attraktiv als andere Kinderstücke von mir, bei denen ich Sprache benutzte.
Erst letztens ist mir klar geworden, warum die mimisch vorgeführte Handlung von den Kindern nicht immer verfolgt werden konnte und sie sich oft von den Erziehern oder Eltern erklären lassen mussten was da auf der Bühne passiert. Mime, bzw. Pantomime speist sich aus einem Zeichensystem, das Erwachsene kreiiert haben und vorwiegend die Welt der Erwachsenen widerspiegelt, zum Beispiel Tür öffnen, Auto fahren, ein Buch lesen, den Tisch decken. Das mimische Zeichensystem mit seinen entsprechenden Techniken ist immer eine Übersetzung und Verfremdung des Realen. Kinder jedoch brauchen es pur. Sie wollen nicht den Clown sehen, wie er spielt das er von einem imaginären Stuhl herunterfällt; sie wollen ihn wirklich von einem Stuhl fallen sehen. Kinder lachen über komische Bewegungen, über lustige Gänge, über Ungeschicklichkeiten ... alles Dinge die direkt und pur vor ihren Augen geschehen. Imaginationen gehen hier und da, so richtig aber erst ab vielleicht für Zehnjährige.
Bei Stegreifshows erging es uns schon öfter, dass der Zuschauer nicht verstand, was gemeint war und zuweilen auch wir Mitspieler nicht immer eins im Erkennen der mimischen Welt des anderen sind.
Hierzu erklärte uns eine Choreografin, dass wir mit unserer mimischen Kommunikation zu schnell sind, da wir sie in der gleichen Geschwindigkeit wie unsere gewohnte Sprechsprache benutzen. In der nonverbalen Sprache jedoch ist der Zuschauer nicht geübt, d.h. er braucht hierfür etwas länger um sie zu verstehen. Für uns hieß das: für mimische Dinge doppelt so viel Zeit nehmen als wir dafür mit Sprache aufwenden würden.

Sommertheater so gut wie nie

Nächste Woche vom 26.-29.August je 19 Uhr gibts noch mal Moby Dick.
Bislang waren die Aufführungen super gut besucht, die Besprechungen bestechend gut und die Kommentare danach positiv bis euphorisch. Das Stegreifkonzept hat sich bewährt.
Man darf es fast gar nicht verraten, aber wie haben für Moby Dick vielleicht acht Proben und für Mein Name ist Nobody vier Proben investiert. Und Nobody war beinahe noch dichter und doch ganz anders als Moby Dick.
Mich freut es sehr: fit sein in den Improprinzipien, Auseinandersetzung mit der zu spielenden Story und Einüben von Haltungen der Figuren und Erarbeitung von vereinzelten Fixpunkten. Der Rest bleibt frei für die Momente. Es funktioniert! So seltsame Begebenheiten, das ein Tisch mitten im Stück umfällt, dass ein Zuschauer aufspringt, das es regnet und und und finden seine lebendige Verarbeitung im Bühnenmoment und irgendwie macht es allesamt glücklich: die Spieler erleben Neues und fangen nicht an ihre Etüden abzuspulen und die Zuschauer freuen sich das sie einmalige Momente erleben.
Von einer anderen Sommertheaterinszenierung habe ich gehört, das da jeder Gang hinterfragt, analysiert und geprobt wurde. Eine gründliche Arbeit, die, obwohl mit Improschauspielern erarbeitet, ein gänzlich anderes Konzept verfolgt: Kunsttheater, zwar erarbeitet durch Improvisationen, die wurden dann jedoch festgezurrt, wiederholbar gemacht, durchgestylt, mit einer Unmenge von Faktenmaterial unterlegt und intellektuell zusammenkomponiert. Auch hier freuen sich die Zuschauer.